... ein Bericht über den diesjährigen Schüleraustausch mit dem Jacque Prévert Gymnasium in Savenay/ Frankreich
Wieder einmal war es also soweit. Im Rahmen des Schüleraustauschprogrammes unserer Schule mit dem Jacque Prévert Gymnasium in Westfrankreich fuhren wir, 17 Schüler der Klassen 8 bis 12, sowie Frau Juhran und Frau Wendler, voller Erwartungen und voller Spannung an die wunderschöne Atlantikküste Frankreichs, um dort in eineinhalb Wochen mehr über die französische Kultur und die Region Bretagne zu erfahren. Selbstverständlich hatten wir auch den Anspruch, unser (mehr oder weniger gutes) Französisch zu verbessern. Im letzen Jahr hatten die Franzosen uns besucht, dieses Jahr waren wir an der Reihe, zu unseren Gastschülern zu reisen.
Nachdem alle Taschen und Koffer gut im Bus verstaut waren machten wir uns also auf, um nach gut 20 Stunden Busfahrt unser Ziel, die 7000-Einwohnergemeinde Savenay zu erreichen. Doch vorerst sollte uns noch die Hauptstadt der „Grande Nation“ in Empfang nehmen. Als wir gegen halb neun die Ortseinfahrt von Paris passierten, waren die Müdigkeit und Anstrengung, die jeder nach der Nacht im Bus spüren konnte, plötzlich wie weggeblasen, und prompt entbrannte ein kleiner Wettkampf, wer denn zuerst den Eiffelturm entdecken würde. Diesen konnten wir dann vom Trocadéro aufgrund des morgendlichen Nebels aber nur teilweise erkennen. Weiter ging es, quer durch Frankreich, bis wir am frühen Nachmittag unser Gastgymnasium erreichten. Dort wurden wir von unseren Gastfamilien bei strahlendem Sonnenschein und 25 Grad in Empfang genommen. Den Sonntagnachmittag verbrachten wir mit einem ersten Kennenlernen in den Familien und kleineren Ausflügen. Aufgeregt, wie der erste „Schultag“ sein würde, schliefen die meisten von uns, immer noch ermüdet wegen der kraftzehrenden Busfahrt, früh ein.
Am nächsten Morgen fuhr ich mit meinem Austauschpartner nach einem typisch französischen Frühstück (Brioche, Nutella, Milch) mit dem Schulbus in die 20 km entfernte Schule. Dort verbrachte ich mit ihm die ersten drei Stunden mit mehr oder weniger interessantem Unterricht. Danach trafen wir uns wieder, um alle zusammen Guérande, eine mittelalterliche Stadt mit einer wundervollen Kathedrale zu besichtigen. Danach ging es das erste Mal an den Atlantik. Alle genossen es sichtlich, einmal etwas Abstand vom schulischen Alltag zu nehmen und neue Erfahrungen zu sammeln. Am Abend ging es wieder mit dem Schulbus zurück in die Gastfamilien. An dieser Stelle muss einmal gesagt werden, dass französische Mütter wirklich Klasse kochen können ;-). In den darauffolgenden Tagen verbrachten wir oft die ersten Stunden in der Schule, um dann mit dem Bus die Gegend zu erkunden. Wir fuhren in andere hübsche Städte, unter anderem in die Hauptstadt des Départements Loire-Atlantique, Nantes. Dort besichtigten wir die Kathedrale und das Schloss der bretonischen Herzöge, das später auch das Schloss der französischen Königin war.
Außerdem konnten wir ausführliche Spaziergänge und Shoppingtouren durch die Nanter Einkaufsstraßen machen. Ansonsten verbrachten wir während unseren täglichen Ausflüge natürlich viel Zeit am Meer und besuchten einen Austernzüchter, der uns zuerst in einer kleinen Führung die Grundlagen seiner Zucht darstellte und uns danach mit unzähligen vorzüglichen Kostproben beglückte.
Mein persönliches Highlight war jedoch der Besuch des Mont Saint Michel, einer Klosteranlage mitten auf einer Insel im Meer. Dieses Bauwerk wird jährlich von Millionen von Menschen besucht und ist nach dem Eiffelturm die meistbesuchte Sehenswürdigkeit ganz Frankreichs. Atemberaubend konstruiert strahlt er eine ehrfurchterregende Schönheit aus. Von oben hatten wir einen tollen Ausblick. Zum Abschluss der Woche fuhren wir nach St. Malo, einer Stadt mit einem alten Piratenhafen und einer beeindruckenden Altstadt. Am Abend feierten wir dann im Lycée ein bretonisches Fest mit typischen Spezialitäten der Bretagne sowie einer bretonischen Tanzgruppe.
Das Wochenende verbrachten wir entspannt in unseren Gastfamilien. Ich unternahm mit meiner Familie einen Ausflug nach St. Nazaire, einer Stadt mit einer großen Schiffswerft, in der unter anderem große Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Dort wurde zum Beispiel die „Queen Mary 2“ gebaut! Außerdem fuhren wir zu den Großeltern meines Austauschschülers. Hier wurde ich wieder von der französischen Gastfreundlichkeit überzeugt!
Nachdem wir am Montag noch einmal „promenade libre“ in Nantes hatten, brach mit dem Dienstag der letzte Tag an: Nachdem wir die ersten beiden Stunden mit unserem Austauschpartner im Unterricht verbracht hatten gingen die meisten von uns in den „Hyper U“, um Proviant für die anstehende Busfahrt zu kaufen. Dann aßen wir ein zweites Mal in der gut ausgestatten Schulkantine.
Nach einem Abschlussfoto und einigen Tränen setzte sich der Bus in Bewegung, um nach wiederum etwa 19 Stunden an unserer [deutschen] Schule wieder anzukommen.
Ich persönlich fand diesen Austausch phänomenal schön! Ich habe viel über die französische Kultur und das Leben in den Familien gelernt. Außerdem habe ich dort einige nette Leute aus anderen Klassen kennengelernt. Der Kontakt zu meinem Franzosen war durchweg gut! Auch meinen Französischkentnissen hat der Frankreichaufenthalt deutlich gut getan. Diese Fahrt war für mich eine durchweg positive Erfahrung, die ich nur weiter empfehlen kann! – Eine einmalige Chance, um „la Grande Nation“ noch besser kennen und schätzen zu lernen.
Jonathan Sommerfeld, 9/2