
Die Klassen 8/1, 8/3 und 8/4 bekamen im Rahmen des LER - Unterrichts Besuch von einem ehemaligen KZ-Häftling. Herr Pappenheim erzählte uns seine traurige und schreckliche Geschichte vom Leben im KZ Buchenwald.
Schon in seiner Kindheit wurde Herr Pappenheim ausgegrenzt, weil er sich in der Schule weigerte, den Hitlergruß zu verwenden und keine den Faschismus verherrlichenden Aufsätze schreiben wollte. Sein Vater war Jude und außerdem dafür bekannt, dass er für den Sozialismus gekämpft hat. Da die meisten Deutschen nichts mit ihm zu tun haben wollten, freundete er sich mit Ausländern an. So ergab es sich, dass ihn einige Franzosen am französischen Nationalfeiertag darum baten, dass er die Marseillaise auf seiner Ziehharmonika spielen möge. Dabei wurde er erwischt und kam letzten Endes ins Konzentrationslager.
Er überlebte die Zeit darin nur, weil ihn viele unterstützten, da sein sozialistisch gesinnter Vater kaltblütig ermordet wurde und es Menschen im KZ gab, die verhindern wollten, dass Pappenheim das gleiche Schicksal erlitt. Dies zeigte sich dadurch, dass er eine leichtere Arbeit zugewiesen bekam und nicht so gnadenlos zum schnellen Arbeiten angetrieben wurde. Trotzdem war das Leben dort wie ein niemals enden wollender Alptraum, denn Pappenheim konnte diese schreckliche Zeit niemals vergessen.
Er erinnert sich noch immer an die vielen Toten, die hauptsächlich an Hunger und Kälte starben, häufig aber auch einer Selbstschussanlage zum Opfer fielen oder in einer Gaskammer den Tod fanden. Morgens wurden die Körper der Menschen, die in der Nacht starben, zum Appellplatz geschleift und mitgezählt, während die anderen Häftlinge neben den Toten stundenlang in der Kälte standen. Nach der Zählung wurden die Toten auf einem Scheiterhaufen zu Hunderten verbrannt und der süßliche Geruch des Todes war im Umkreis von 2 Kilometern zu verspüren.
Nach dieser Erzählung hatten wir die Gelegenheit Fragen zu stellen, die sehr ausführlich beantwortet wurden. Trotz der Vorbereitung durch den LER - Unterricht hatten sich einige zuvor nicht vorstellen können, wie grausam das Leben im KZ tatsächlich war und waren nach dieser Stunde sehr schockiert. Auch wenn vermutlich noch immer nicht alle die Tragweite des ganzen Geschehens begriffen haben, war es doch eine lehrreiche Stunde.
Frau Kloß, die das Treffen freundlicherweise organisiert hat, möchten wir an dieser Stelle herzlich danken, dass sie es uns ermöglicht hat, mit einem Zeitzeugen zu sprechen. Herrn Pappenheim selbst danken wir ebenfalls, dass er uns einen Einblick in das düsterste Kapitel seines Lebens gegeben hat und wünschen ihm viel Gesundheit und Kraft, damit er noch vielen anderen nahe bringen kann, wie schlimm Faschismus und Verfolgung waren, denn die Zeitzeugen sterben langsam aus, doch darf nicht die Erinnerung an diese schlimme Zeit verblassen.
Jane A. Mademann und Judith Kloß (Klasse 8/3)